Bezüglich der erweiterten Diagnostik gibt es in den Leitlinien der AWMF, NICE und AAP keine einheitlichen Empfehlungen, zu welchem Zeitpunkt welches diagnostische Mittel eingesetzt werden soll. Als klinisch entscheidend werden aber die Unterscheidung zwischen einfachem und komplexem FK sowie das Erkennen von „red flags“ gewertet (siehe Abb. 1).
Insbesondere bis zum Alter von 12 Monaten müssen Störungen der Elektrolyte und der Serumglukose mittels Blutgasanalyse ausgeschlossen werden.
Bei Verdacht auf eine bakterielle Infektion mit/ohne Sepsis sind laborchemische Untersuchungen (Blutbild, insbesondere Neutrophilenzahl, und CrP, Il‑6, Procalcitonin), eine Blutkultur sowie eine erweiterte Fokussuche notwendig, inklusive Kulturen/PCR aus Urin, Liquor und ggf. Sputum [4]. Der durch klinische und laborchemische Zeichen begründete Verdacht auf eine Meningitis und/oder Sepsis ist ein infektiologischer Notfall, der möglichst innerhalb 1 h nach Auftreten von ersten Symptomen einer adäquaten antimikrobiellen Therapie bedarf. Obwohl die Entnahme von Kulturen von Bedeutung ist, sollte bei instabilen bzw. septischen Patienten dadurch die Therapie nicht verzögert werden. Zusätzlich zur Stabilisierung der Vitalparameter wird in diesem Fall eine empirische intravenöse antibiotische Therapie mit meist Cefotaxim (200 mg/kg/Tag in 3 ED) schnellstmöglich und ggf. vor Gewinnung von zusätzlichen Kulturen aus Urin, Liquor, usw. begonnen [21].
LumbalpunktionSeit der Einführung von Hib- und konjugierten Pneumokokken-Impfstoffen ist die Prävalenz für bakterielle Meningitiden deutlich zurückgegangen, daher ist seit 2011 in den internationalen Leitlinien eine generelle Lumbalpunktion bei allen Säuglingen mit FK zwischen 6 und 12 Monaten nicht mehr empfohlen. Bei Vorliegen von den genannten „red flags“ (Tab. 4) muss zwingend eine Meningitis mittels Lumbalpunktion ausgeschlossen werden, auch bei antibiotischer Vorbehandlung. Bei Säuglingen und Kleinkindern unter 18 Monaten sowie bei Kindern mit antibiotischer Vorbehandlung sind Zeichen einer Meningitis nicht immer sicher zu erheben, daher sind eine Überwachung und klinische Reevaluation dieser Patienten besonders wichtig. Des Weiteren muss bei fokalen FK mit subfebrilen Temperaturen oder anderen Zeichen einer Enzephalitis an eine HSV-Enzephalitis gedacht werden, da der Zeitpunkt der ersten intravenösen Aciclovir-Gabe (< 3 Monate 60 mg/kg/Tag in 3 ED; > 3 Monate 30 mg/kg/Tag in 3 ED) für die Prognose höchstgradig ausschlaggebend ist, um eine therapieschwierige Temporallappenepilepsie im Verlauf zu vermeiden [9].
MRTBei Auffälligkeiten in der akut-neurologischen Beurteilung im Sinne von persistierenden (fokalen) Symptomen oder einer Bewusstseinsstörung, die über eine kurz transiente, postiktale Irritation hinausgeht, sowie komplexen und/oder rekurrenten FK sollte ein zerebrales MRT zum Ausschluss von akuten Läsionen, beispielsweise einer Raumforderung (insbesondere zerebrales Empyem als Komplikation bei Infektion im HNO-Bereich), einer Hämorrhagie oder einer Enzephalitis durchgeführt werden. Auch chronische Pathologien wie eine Hirnfehlbildung oder Differenzierungsstörung (insbesondere fokal kortikale Dysplasie, fokale Atrophien), Läsionen durch metabolische oder andere genetische Ursachen können so dargestellt werden [7]. Postiktal können nach fieberhaftem Status epilepticus im MRT zerebrale reversible Diffusionsrestriktionen detektiert werden [28].
EEGIn den internationalen Empfehlungen benötigt ein Kind nach unkompliziertem FK, mit unauffälliger Schwangerschafts- und Geburtsanamnese, regelrechtem Entwicklungsstand und unauffälligem neurologischem Untersuchungsbefund kein EEG. In EEG-Ableitungen bei komplexen und/oder rekurrenten FK zeigen einige Kinder bis zu 7 Tage nach FK transiente abnorme EEG-Befunde mit regionalen Verlangsamungsherden oder auch epilepsietypischen Potenzialen ohne therapeutische oder prognostische Relevanz [18, 26].
In der praktischen Anwendung wird ein EEG in den meisten Kinderkliniken dann durchgeführt, wenn es möglich ist, insbesondere bei fokalen Anfällen, bei rekurrenten Episoden sowie im Status epilepticus, um regionale Veränderungen zu detektieren. Zu ausreichenden Differenzierung zwischen transienten postiktalen EEG-Veränderungen und davon unabhängigen EEG-Auffälligkeiten muss ein (Kontroll‑)EEG mindestens 48 h nach Krampfereignis und im fieberfreien Intervall geplant werden. Das EEG sollte bei wachem und schlafendem Kind sowie idealerweise mit Provokation (durch Schlafentzug, Hyperventilation und Photostimulation) aufgezeichnet werden [13, 26].
GenetikBei rekurrenten FK und/oder Auffälligkeiten bezüglich Neurologie und Entwicklung und/oder positiver Familienanamnese hinsichtlich Epilepsien oder anderen neurologischen Krankheitsbildern muss eine genetische Untersuchung hinsichtlich Epilepsiesyndrom in Betracht gezogen werden. Einheitliche Aussagen bezüglich der Anzahl an rekurrenten FK, ab denen genetische Diagnostik notwendig ist, gibt es nicht. Die Trio-Exomsequenzierung ist als Goldstandard empfohlen [17, 22].
Indikation zur stationären ÜberwachungZur Observanz und ausführlichen Beratung hinsichtlich Notfallmanagement und Prognose empfehlen wir eine generelle stationäre Aufnahme nach dem ersten einfachen FK, insbesondere bei Kindern im Alter unter 18 Monaten. Bei Kindern nach komplexem FK oder anderen „red flags“ ist eine stationäre Aufnahme obligat. Bei einem wiederholten unkomplizierten Fieberkrampf ist keine stationäre Aufnahme notwendig, sofern das Kind in einem guten klinischen Zustand ist und keine weiteren stationär behandlungswürdigen Befunde vorliegen. Zusätzliche Faktoren hinsichtlich der Entscheidung für eine stationäre Aufnahme sind die Art des Infekts, die Nähe des Wohnortes, die Wahrscheinlichkeit eines erneuten Krampfanfalls und die Zuverlässigkeit der Eltern.
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