Untersucht wurden 2 Frauen und 1 Mann mit pharmakoresistenter Epilepsie, die sich am Epilepsie-Zentrum Berlin-Brandenburg (EZBB) einer nichtinvasiven prächirurgischen Epilepsiediagnostik unterzogen hatten. Alle wurden vorab mündlich und schriftlich aufgeklärt, dass es sich um Pilotmessungen zur Überprüfung der Machbarkeit handelt, nicht um eine klinische Studie mit Ethikvotum. Ansonsten wurden sie analog zu wissenschaftlichen OPM-MEG-Untersuchungen mit Ethikvotum aufgeklärt. Alle 3 willigten freiwillig und widerruflich, mündlich und schriftlich ein, an den Untersuchungen teilzunehmen und die von ihnen erhobenen Daten (MEG, EEG, Magnetresonanztomographie [MRT], klinische Variablen) untersuchen und de-identifiziert veröffentlichen zu lassen. Sie erhielten eine Aufwandsentschädigung von 12 € pro Stunde inklusive An- und Abreise. Die Tab. 1 gibt einen Überblick zu den 3 untersuchten Testpersonen.
Tab. 1 Demografische und klinische Angaben zu den 3 TestpersonenWir verwendeten ein HEDscan-System (FieldLine Medical, Louisville, Colorado, USA) mit 120 OPMs, die das Magnetfeld jeweils in radialer Richtung und einer tangentialen Richtung messen (240 Kanäle; Abb. 1; [1]). Die Messungen fanden im „Berliner magnetisch geschirmten Raum 2“ der PTB statt, welcher durch seine 8 Lagen µ‑Metall einen hohen Schirmfaktor bietet [6]. Die Kammer lässt sich im Notfall und auch bei Stromausfall von innen öffnen; jederzeit besteht Mikrofonkontakt zum Kontrollraum.
Vor der Messung im OPM-MEG führten wir mit den Testpersonen eine Sicherheitseinweisung durch. Zur Koregistrierung mit dem individuellen MRT brachten wir 4 Kopfpositionsspulen an anatomischen Orientierungspunkten an. Die im HEDscan-Helmsystem verschieblich angebrachten OPMs schoben wir bis zur Kopfoberfläche vor und passten ihre Anordnung so an die individuelle Kopfform an. Die Position der OPMs wurde mit einem zweiten, integrierten Spulensystem automatisch bestimmt. Die Vorbereitung jeder Testperson dauerte ca. 45 min. Die Messung dauerte weitere 45 min mit Wachheit bei geschlossenen Augen, wiederholtem Augenöffnen, Hyperventilation und kognitiver Aktivierung; gegen Ende der Messung durften die Testpersonen einschlafen. Zu jeder Zeit war eine Begleitperson in der MEG-Kammer.
Für die MEG- und EEG-Quellenlokalisation (MQL und EQL) wurde eine 3D-T1-Sequenz aus der prächirurgischen Routinediagnostik herangezogen (Magnetom Prisma, Siemens Healthineers, Forchheim, Deutschland; 0,9 × 0,9 × 1 mm). Zum Vergleich mit dem OPM-MEG nutzten wir drei 20-minütige EEG-Epochen (Wachheit, Augen auf/zu, Hyperventilation, kognitive Aktivierung, Schlaf) aus dem prächirurgischen Video-EEG-Monitoring am EZBB. Das EEG wurde mit 40 bis 50 Oberflächenelektroden aufgezeichnet, davon 25 nach Empfehlung der International Federation of Clinical Neurophysiology (IFCN) [17], weiteren 15 nach EZBB-internem Standard und bis zu 10 zusätzlichen Elektroden je nach Fokushypothese.
Für MQL und EQL nutzten wir BESA Research 7.1 und BESA MRI 3.0 (BESA GmbH, Gräfeling, Deutschland). Als Vorwärtsmodell diente ein Finite-Elemente-Modell (FEM), basierend auf dem individuellen T1-MRT; als Rückwärtsmodelle dienten sowohl ein Einzeldipol („equivalent current dipole“) als auch die „Classical LORETA Analysis Recursively Applied“ (CLARA) [10]. Für die EEG-Elektroden wurden Standardpositionen angenommen. Wir markierten die pro untersuchter Person am häufigsten auftretenden epilepsietypischen MEG- und EEG-Muster (Spikes) jeweils gleichartiger Konfiguration visuell und mittelten sie (Averaging). MQL und EQL führten wir jeweils zum Beginn (Onset) des negativen Spike-Anstiegs durch.
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